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App-Musikinstrumente für android

Matthias Krebs | 22. August 2015

Appmusik mit android? Ja, das funktioniert! Auch für Smartphones und Tablets mit android gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Musikapps mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Doch gibt es im Vergleich mit Musikapps für Geräte von Apple Unterschiede. Angesichts der neueren technischen Entwicklungen und der hohen Verbreitung von Geräten mit android-Betriebssystem besonders in Deutschland [Link], lohnt sich die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Dabei soll in diesem Blogbeitrag ein besonderer Fokus auf solche Musikapps gelegt werden, die die Geräte in Musikinstrumente verwandeln. Es offenbart sich schnell, dass darunter zahlreiche ernstzunehmende Musikapps für App-Musikensembles oder sogar Studioproduktionen sind. Weiter unten im Beitrag findet sich eine Liste dazu.
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Neben zahlreichen Player- und Radio-Apps, die in den App Stores die Mehrzahl darstellen, werden ebenso eine Anzahl an Apps angeboten, die mobile Digitalgeräte in Musikinstrumente und mobile Musikstudios verwandeln oder Apps, die von den Nutzer_innen als Hilfsmittel wie Metronom, Stimmgerät und Notenarchiv für das Musikmachen mit herkömmlichen Musikinstrumenten (Gitarre, Klavier, Schlagzeug etc.) verwendet werden können.

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Synthesizer- und Gitarren-Apps lassen sich bisher auf Geräten mit android nicht ganz flüssig spielen. Dagegen machen Apps wie „Sketch a Song“, bei denen Töne eher programmiert werden, mehr Spaß.

Die Anzahl an Musikapps, die zum Musikmachen und Musizieren genutzt werden können, ist jedoch für Geräte mit android noch nicht so groß und vielfältig wie für Apple-Geräte mit iOS (iOS=Kurzbezeichnung für das Betriebssystem von Apple installiert auf den verschiedenen Modellen der iPhones, iPads und dem iPod touch). Der Anteil an Player- und Radio-Apps aber auch an Hilfsmittel-Apps ist in den android-App Stores deutlich höher, wie schnell augenfällig wird, wenn man die ersten 20 Einträge in der Kategorie „Musik & Audio“ vergleicht. Auf einige Gründe dafür, die insbesondere in den technischen Gegebenheiten liegen, will ich im Folgenden näher eingehen.

 

Herausforderungen und Perspektiven

Dass mit android-Geräten (von Herstellern wie HTC, SamsungLG etc.) durchaus gute musikalische und klangliche Ergebnisse erzielt werden können, zeigt ein Unterrichtsprojekt, dass Marc Godau und ich an einer Berliner Sportschule betreut haben. Innerhalb von 6 Wochen führten 12 zukünftige Olympionik_innen der Leichtathletik-Klasse 8f gemeinsam mit ihren 7 Fachlehrer_innen ein fächerverbindendes Musikprojekt mit Tablets durch. Zentrales Thema war die Entwicklung eines Musikclips zu einer selbst komponierten Hymne für Olympia 2024 in Hamburg (mehr dazu [hier]).

Das Musizieren mit Musikapps auf Geräten mit android unterliegt aktuell jedoch einigen Einschränkungen gegenüber Musikapps für iOS. Von besonderer Bedeutung dafür ist die Verzögerung die auftritt, wenn – vereinfacht beschrieben – mit dem Finger das Touchdisplay berührt wird, bis darauf hin ein Klang hörbar wird. Diese auch bei aktuellen und leistungsfähigen Geräten unterschiedlichster Hersteller für alle Nutzer deutlich wahrnehmbare Verzögerung (Latenz) von 30 bis 100 ms führt dazu, dass die Klangerzeugung nicht als „direkt“ bzw. sofort erlebt wird. Besonders deutlich wird dieses Problem beim Spiel von Schlagzeug-Apps [Video]. Grund dafür ist im strukturellen Aufbau des Betriebssystems android zu finden, der u.a. keine besondere Priorität für Audio in der Prozess-Verarbeitung zulässt [mehr].

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Solche Drum-Machine-Apps und BeatMaker sind wie geschaffen für android-Systeme. (Apps: links DMach / mitte Reactable und SPC / recht Oscilab)

Das Spielen vieler Instrumenten-Apps (insbesondere der Virtual Instruments) auf android-Geräten macht auf diese Weise mit der hohen Latenz keine Freude. Immer wieder Hoffnung machen Neuerungen am Betriebssystem. Ende 2014 sind mit dem Erscheinen des neuen Betriebssystemupdates android Version 5 Lollipop ([Link]) und mit dem proprietären System „Samsung Pro Audio“ ([Link]) deutliche Verbesserungen in Bezug auf die Latenz angekündigt worden. Eigene Experimente mit Lollipop auf den Geräten Nexus 5 und Nexus 9 haben gezeigt, dass sich einige Musikapps auf dieser aktualisierten Betriebssystembasis fast so gut wie man es von Apps für iOS gewohnt ist, spielen lassen. Zudem lassen sich nun auch einige externe Soundkarten und (Keyboard-)MIDI-Controller per USB mit den Smartphones und Tablets nutzen. Mit den folgenden Betriebssystem-Updates wird dies langsam ausgebaut.

Das Video zeigt die für iOS bekannte Musikapp „ThumbJam“ als eine sehr vielversprechende Umsetzung für Samsung Pro Audio. Doch sind mir bis heute kaum weitere Musikapps oder Musikprojekte bekannt, die damit in Zusammenhang stehen.

 

App-Musikinstrumente für android

Auf Grundlage der geschilderten Unterschiede, liste ich im Folgenden eine Auswahl an Musikapps zum Musikmachen für android auf, die ich aus Erfahrung in Workshops und eigenen Musikprojekten empfehlen kann. Von einer näheren Beschreibung dieser Musikapps muss ich leider absehen, da die Beschreibungen den Rahmen dieses Beitrages sprengen würden.

Die kostenpflichtigen Musikapps bewegen sich im Rahmen von 0,60€ bis 5€. Komplexere Apps wie Workstations können auch bis zu 20€ kosten. Zeitweise schwanken die Preise durch Rabataktionen. Manche Apps sind auch kostenlos erhältlich, doch bei den meist dieser Apps handelt es sich um Probierversionen, es wird Werbung eingeblendet oder es sind Apps im Experimentierstadium.

Zur Orientierung habe ich die Musikapps bestimmten Nutzungsbereichen geordnet. Die Links verweisen direkt in den Google Play Store, wo weitere Informationen zu den Apps gefunden werden können.

BeatMakers

BeatSamplers

Workstations und Sequenzers

Synths

Virtual Instruments

 

Fazit

Mobilegeräte mit android-System sind deutlich mehr verbreitet in Deutschland als Geräte von Apple. Schon deshalb wäre es fatal, bei der Auseinandersetzung mit Appmusik, allein iOS zu fokussieren. Zudem zeigen Apps wie DMach, SPC, Caustic und Audio Evolution, dass es leistungsfähige Apps gibt, die teilweise durch PlugIns erweiterbar sind und sich sogar in ein Studio-Setup integrieren lassen.

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Samsung Galaxy Tab S (links), Nexus 7 und Nexus 5 (mitte), Nexus 9 (rechts).

Aufgrund der Herausforderungen mit der Verzögerung (Latenz) von Musikapps für android, halte ich App-Instrumente die zu den Virtual Instruments gezählt werden und Synthesizer-Apps aktuell nicht für sinnvoll verwendbar zum gemeinsamen Musizieren. Besser geeignet zum Musikmachen sind dagegen BeatSamplers, Beatmakers und für bestimmte Vorhaben auch die Workstations und Sequenzers. Doch müssen die unterschiedliche Geräte mit ihren Apps im gemeinsamen Spiel miteinander im Tempo und zum Start synchronisiert werden. Dafür sind geeignete Lösung in der Entwicklung. 

Bis heute bleibt zu hoffen, dass sich mehr im Bereich android-Musikapps von Seiten Google und den vielen selbständigen App-Entwicklern tut und die Lücke im Angebot an Musikapps gegenüber iOS-Musikapps nicht immer weiter auseinander klafft.

 

Mehr zum Thema

Weiterführend zum Thema Musikapps für android hatte ich vor einiger Zeit (Mitte 2013) im Rahmen der android-Konferenz droidcon 2013 einen Status-Quo vorgestellt und die Folien des Vortrages veröffentlicht:

App Music: Musical Apps on Android from Matthias Krebs

Auch der Sozialpädagoge Ulrich Tausend hat sich intensiver mit Musikapps für android beschäftigt: Rock dein Smartphone – Apps zum Musik selber machen.

Haben Sie eigene gute oder schlechte Erfahrungen mit bestimmten Musikapps für android? Teilen Sie diese doch gern im Kommentarbereich mit und bereichern Sie damit den Austausch zu dieser Thematik. 

Matthias Krebs ist Appmusiker, Diplom-Musik- und Medienpädagoge und wissenschaftlich tätig. Matthias Krebs ist Gründer und Leiter des Smartphone-Orchesters DigiEnsemble Berlin und beschäftigt sich im Rahmen seiner Promotion mit der Aneignung digitaler Musikinstrumente. Weitere Forschungsschwerpunkte betreffen: Digitale Medien in Lehre und Forschung, Kommunikation im Social Web, Netzkunst, digitale Musikinstrumente und Musiker-Selbstvermarktung. Er arbeitet und wirkt an der Universität der Künste Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ist als Lehrbeauftragter an mehreren deutschen Musikhochschulen tätig und leitet regelmäßig Workshops. Mehr: www.matthiaskrebs.de


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